Meine Ahnenforschung

Autor: Bernhard Pietrass (Kontakt)

Wie ich zur Ahnenforschung kam

Vor meiner Pensionierung im Jahr 2003 hatte ich mich nicht besonders für meine fernen Vorfahren interessiert. An meine Grosseltern in Ostpreussen, die in Kampen und Martinshagen gewohnt hatten, konnte ich mich noch gut erinnern, obwohl ich erst sechs Jahre alt war, als wir Anfang 1945 aus Ostpreussen flüchten mussten. Meine Urgrosseltern kannte ich nur von Erzählungen meiner Eltern.

Unsere Familiendokumente waren auf der Flucht verlorengegangen. Ich hatte nicht einmal eine standesamtliche Geburtsurkunde, sondern nur eine eidesstattliche Erklärung meiner Eltern über meine Geburt. Seit 1984 besitze ich aber ein sehr nützliches Familiendokument: Einen Familienstammbaum, den mein Bruder Martin anlässlich der goldenen Hochzeit meiner Eltern von Hand auf ein grosses Blatt Papier gezeichnet hatte. Dort sind auch die Daten eingetragen, die meine Eltern über ihre Vorfahren angegeben hatten. Daher wusste ich, dass ich einen Urgrossvater Johann Pietrass habe, der 1836 in Martinshagen geboren wurde. Weiter zurück in die Vergangenheit geht der Familienstammbaum nicht.

Mein Interesse an der Ahnenforschung wurde im Jahre 2002 geweckt, als mein Sohn Stefan mir berichtete, dass er eine E-Mail von Edith und Knut Pietrass aus Australien erhalten hatte. Diese suchten weltweit im Internet Personen mit dem Familiennamen "Pietrass", um mögliche Verwandte zu finden. Sie berichteten, dass Knuts Grossvater in Widminnen im Kreis Lötzen in Ostpreussen gelebt hatte. Ich hielt es für sehr wahrscheinlich, dass Knut P. und ich gemeinsame Vorfahren in Ostpreussen hatten, denn Widminnen liegt nicht weit entfernt von Martinshagen (ca. 20 km). Es enstand die interessante Frage: Wie sind wir verwandt und wie können wir das herausfinden?

Mir war klar, dass Ahnenforschung viel Zeit erfordert. Deshalb nahm ich mir vor, mich nach meiner Pensionierung im März 2003 mit der Aufklärung der Verwandtschaftsfrage zu beschäftigen. Inzwischen erfuhr ich, dass neben meinem Sohn Stefan (Albbruck) auch mein Bruder Alfred E-Mails mit Edith und Knut P. in Australien ausgetauscht hatten. Alfred war über seine Tochter Tanja (USA) dazu gekommen.

Im Januar 2004 sandte ich meine erste E-Mail an Edith und Knut P. nach Australien.Ich erhielt sofort Antwort und den Hinweis, dass ich bezüglich der Vorfahren von Knut P. seine Tante Dagmar P. in Hamburg anrufen könnte. Das tat ich dann auch, und es folgten einige längere Telefongespräche mit Dagmar, wo wir über unseren möglichen Verwandtschaftsgrad spekulierten. Wir kamen zu der Überzeugung, dass wir verwandt sind, aber es blieb unklar, wie wir verwandt sind.

Besonders interessant für mich war, dass Dagmar meine Tante Selma P. (1908-1990), die nach dem Krieg in Hamburg wohnte, persönlich kennengelernt hatte. Dagmars Vater Georg Karl P. (1901-1983) kannte meine Tante Selma bereits aus seiner Jugendzeit in Ostpreussen, vom gemeinsamen Schlittschuhlaufen auf dem Buwelnosee. Selma wohnte in Martinshagen und Georg Karl nur wenige Kilometer entfernt in Seehöhe am südlichen Ende des Buwelnosees. Selma heiratete später meinen Onkel Alfred P. (1908-1944) aus Martinshagen, und Georg Karl wohnte später in Widminnen. Nach dem Krieg hatten sich Georg Karl und Selma bei Ostpreussentreffen wiedergesehen.

Nach Telefongesprächen mit meinem Bruder Alfred nahmen wir an, dass unser Grossvater Richard (*1869 in Martinshagen) und Dagmars Grossvater Julius (*1866) aus Seehöhe möglicherweise Brüder oder Cousins waren. Aber wie könnten wir das beweisen?



Spurensuche in Ostpreussen

Ich dachte, es wäre das Beste, nach Masuren zu fahren, um dort an Ort und Stelle nachalten Familiendokumenten zu suchen. Ich fragte meine Brüder Alfred, Richard und Martin, ob sie mitfahren würden. Alle drei stimmten zu. Martin hatte bereits Ostpreussen-Erfahrung (er war 2002 mit seiner Frau dort gewesen) und kümmerte sich um die Quartierbestellung. So trafen wir uns am Morgen des 17. Juni 2004 in Berlin und starteten mit einem Mietauto unsere Reise "zu unseren Wurzeln". Unser Tagesziel war die Pension Teresa in Marcinowa Wola (Martinshagen), ca. 800 km von Berlin entfernt. Wir fuhren die Route über Küstrin entlang der alten Reichsstraße Nr.1 bis Elbing, dann über Allenstein, Nikolaiken und Sensburg, Milken. Wir machten nur kurze Pausen, wechselten uns am Steuer ab, und erreichten unser Ziel noch vor Einbruch der Dunkelheit.

Wir wohnten eine Woche in der Pension Teresa und fühlten uns dort sehr wohl. Wir machten Tagesausflüge in die Umgebung und suchten nach Spuren unserer Vorfahren. Wir besichtigten die ehemaligen Höfe unserer Grossväter in Martinshagen und Kampen, und natürlich die ehemalige Mühle unseres Vaters in Upalten, meinem Geburtsort, wo ich seit 1945 nicht mehr gewesen war. Ich konnte mich aber noch gut an Upalten erinnern. Die Mühle und der See kamen mir vertraut vor.

Die Mühle unseres Vaters war nach dem Krieg stillgelegt worden. Zum Glück fand sich ein Investor, der die Mühle zu einem Gasthaus umgebaut hat und damit das Gebäude vor dem Verfall bewahrt hat. Werbungstafeln für das Gasthaus "Alte Mühle" in Upalty sahen wir an mehreren Stellen am Strassenrand. Wir kehrten mehrmals in die "Alte Mühle" ein und liessen uns bewirten.

Auf der Landkarte fanden wir östlich von Widminnen den Ort Pietrasze, der unserem Familiennamen verdächtig ähnlich ist. Sind etwa unsere Vorfahren aus Pietrasze gekommen? Wir fuhren dorthin, konnten aber keine Spuren entdecken. Am Ortseingang von Pietrasze machten wir ein originelles Erinnerungsfoto.

In Gizycko (Loetzen) besichtigten wir die Kirche, in der unsere Eltern 1934 (d.h. 100 Jahre zuvor) geheiratet hatten, und wo meine Geschwister Gerda (1935), Alfred (1936) und ich (1938) getauft worden waren. Die Kirche ist renoviert. Sonntags findet ein Gottesdienst in deutscher Sprache statt. Wir fragten den Pfarrer nach alten Kirchenbüchern. Er sagte uns, dass dort keine Bücher von vor 1945 vorhanden sind.

Bei der Suche nach alten Familiendokumenten wandten wir uns an den "Deutschen Sozial-kulturellen Verein" in Gizycko (Lötzen). Dort sagte man uns, alte Standesamtsunterlagen von unseren Vorfahren könnten wir eventuell in dem Staatlichen Archiv in Elk (Lyck) finden. So fuhren wir dorthin und waren positiv überrascht, als wir erfuhren, dass dort Dokumente des Standesamts Milken (zuständig u.a. für Martinshagen) aus den Jahren 1874 bis 1902 vorhanden sind. Wir haben diese Standesamtsbücher (Geburten, Heiraten, Todesfälle) durchgesehen und eine Reihe von Einträgen gefunden, in denen Personen mit dem Namen Pietrass auftauchten. Die interessantesten sind (sinngemäss):

Wir fanden eine Reihe von Einträgen über Pietrass-Familien aus Milken, deren Verwandschaft mit uns ungeklärt ist. Wir fanden aber kein Dokument, das irgendetwas über die Verwandtschaft der Pietrass-Familien in Martinshagen und Seehöhe ausgesagt hat.

Wir erfuhren, dass es in Ostpreussen erst ab 1874 Standesämter gab. Weiter zurückliegende Personenstandsdaten könnte man nur in alten Kirchenbüchern finden. Diese sind aber infolge der Krieges heute in den Kirchen nicht mehr vorhanden. Es erschien daher ziemlich aussichtslos, die Verwandtschaftsfrage aufzuklären.


Suche im Internet und im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin

Die ungeklärte Verwandtschaftsfrage beschäftigte mich auch nach unser Rückkehr aus Ostpreussen. Mir war klar, dass die Antwort nur in alten Kirchenbüchern gefunden werden kann. Gibt es heute noch alte Kirchenbücher aus Ostpreussen? Im Juli 2004 begann ich im Internet zu recherchieren (mit der Suchmaschine Google) und wurde ziemlich schnell fündig. Ich stiess zunächst auf den Salzburger Verein, der wertvolle Informationen über Familienforschung in Ostpreussen liefert. Dort fand ich, dass viele ostpreussische Kirchenbücher als Originale oder Kopien noch erhalten sind und über folgende Institutionen zugänglich sind:

Ich suchte bei dem Salzburger Verein im Internet gezielt nach erhaltenen Kirchenbüchern, die für meine Ahnenforschung von Nutzen sein könnten. Das sind vor allem Bücher der Kirchen Milken (für Martinshagen/Marczinawolla), Eckersberg (für Seehöhe/Czierspienten) und Lötzen für Kampen (Geburtsort meiner Mutter) und Upalten (Wohnort meiner Eltern). Ich fand folgende Bücher, in denen ich relevante Daten vermutete:

Ende Oktober 2004 suchte ich das Evangelische Zentralarchiv in Berlin (Bethaniendamm 29) auf, um mir alte erhaltene Kirchenbücher von Lötzen/Landgemeinde anzuschauen. Das war nicht so einfach, wie ich es mir vorgestellt hatte. Wegen der hohen Nachfrage muss man sich für einen Arbeitsplatz an einem Mikrofiche-Lesegerät voranmelden. Ich erhielt daher nur für einige Stunden einen Arbeitsplatz. Dennoch hatte ich ein Erfolgserlebnis. Im alphabetischen Namensverzeichnis Taufen 1877-1940, Lötzen Landgemeinde (Fiche-Nr. 3433, 3434) fand ich folgende Einträge über meine Vorfahren:

In dem Namensverzeichnis fand ich auch Einträge über meine Taufe am 5.6.1938, sowie die Taufen meiner Geschwister Gerda (1.9.1935) und Alfred (25.12.1936). Ich freute mich über diese Dokumentation meiner Geburt, auch deshalb, weil meine Geburtsurkunde im Krieg verlorengegangen war.

Dagmar P. hatte mir mitgeteilt, dass ihre Grossmutter Auguste Dmoch 1870 in Schimonken, Kreis Sensburg, geboren wurde. Daher war zu vermuten, dass sie ca. 1895 in Schimonken Julius P. geheiratet hatte. Die Kirchenbücher von Schimonken sind grösstenteils im EZA vorhanden, und ich fand tatsächlich den entsprechenden Kirchenbucheintrag, der sinngemäss lautet:

Getraut sind am 16. Juli 1897
Julius Pietras, Grundbesitzer aus Cirspienten, 30 J., und Auguste Dmoch aus Schimonken, 26 J.

Leider gibt es in dem Kirchenbuch keine Angaben über die Eltern des Brautpaars. Daher blieb es unklar, wo Julius geboren wurde und wer seine Eltern waren.

Da ich in Hohentengen am Hochrhein sehr weit entfernt von Berlin (EZA) und Leipzig (ZGL) wohne, schien es mir einfacher, die Möglichkeiten bei den Mormonen für die Familienforschung zu nutzen. In Berlin beim EZA hatte ich erfahren, dass es in den Mormonenkirchen Familienforschungsstellen gibt, die nach Anmeldung von jedermann genutzt werden können. Die Mormonen verfügen über das weltweit grösste Mikrofilm-Archiv von alten Kirchenbüchern. Die Mikrofilme kann man gegen eine geringe Gebühr nach Katalog bestellen und in den Familienforschungsstellen lesen.

Im November 2004 suchte ich im Internet bei den Mormonen nach erhaltenen Kirchenbüchern aus Ostpreussen und fand, dass die Kirchenbücher von EZA und ZGL meist auch bei den Mormonen vorhanden sind. Ich suchte nach Mormonenkirchen in der Nähe meines Wohnorts Hohentengen am Hochrhein und fand eine in Zürich, nur ca. 30 km von meinem Wohnort entfernt.


Ahnenforschung bei den Mormonen

Nachdem ich in Zürich vom Leiter der Genealogie-Forschungsstelle in die Familienforschung bei der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) eingeführt worden war, begann für mich eine spannende Zeit der Suche nach meinen Vorfahren in alten Kirchenbüchern aus Ostpreussen.

Ich verschaffte mir zuerst einen Überblick, welche Kirchenbücher bei den Mormonen vorhanden sind und welche davon für meine Ahnenforschung wichtig sein könnten. Dies waren vor allen die Bücher der Kirche Milken (zuständig für Martinshagen)

Diese vier Mikrofilme habe ich zuerst bestellt und durchgesehen. In den Totenbüchern der Kirche Milken fand ich die folgenden interessanten Einträge (sinngemäss):
Damit hatte ich zwei weiter zurückliegende Generationen meiner Vorfahren in Martinshagen gefunden: Der Vater meines Urgrossvaters Johann P. war Friedrich P. (*1808), Kölmer in Martinswolla. Er war mit Regina Willutzki verheiratet und hatte viele Kinder. Sein Vater war Christoph P., Kölmer in Marczinawolla. Er war mit Maria Grygo verheiratet.

In den Taufbüchern (1834-1856) der Kirche Milken fand ich die Geburtsdaten der Kinder von Friedrich P. und Regina Willutzki:

Damit hatte ich meinen Ur-Urgrossvater Friedrich P. (1808-1858) und seine Familie gefunden. Er war Kölmer in Martinswolla. Doch was ist ein Kölmer? Dieser Begriff war mir unbekannt. Ich suchte im Internet und fand: Ein Kölmer ist der Besitzer eines Erbhofes, den seine Vorfahren nach dem Kulmer Recht (benannt nach der Stadt Kulm an der Weichsel, heute Chelmno nad Wisla) erworben hatten. Das Kulmer Recht war vom deutschen Ritterorden im 13. Jahrhundert in Preussen eingeführt worden, und galt dort bis ins 18. Jahrhundert. Nach dem Kulmer Recht konnten Bürger Landgüter erwerben, waren zugleich aber zum Militärdienst und zu Abgaben an den Orden und an die Kirche verpflichtet.

Darüberhinaus hatte ich gefunden: der Vater meines Ur-Urgrossvaters war Christoph P. (*ca.1780). Er wurde ca. 1780 geboren, war Kölmer in Martinswolla, war mit Maria Grygo verheiratet und starb vor 1848. Ihre Kinder waren Friedrich (Hoferbe), Catharina, Christoph und Gottlieb. Dies alles folgt aus dem Kirchenbucheintrag über das Begräbnis von Maria Grygo 1848.

Als nächstes bestellte ich Mikrofilme von den verfügbaren Büchern der Kirche Eckersberg (zuständig für Seehöhe):

Ich hoffte, in den Totenbüchern etwas über die Familie von Julius P. (1866-1944) aus Seehöhe (Czierspienten) zu finden. Es stellte sich heraus, dass nur das alphabetisch geordnete Namensregister der Toten vorhanden ist. Dort fand ich die Einträge (sinngemäss): Handelt es sich bei den verstorbenen Kindern um Geschwister von Julius P. (*1866)? Wer waren ihre Eltern? Das Namensregister gibt leider keine Antwort auf diese Fragen. Die Einträge zeigen auch, dass die Säuglingssterblichkeit damals sehr hoch war.

In dem Buch Kirche Eckersberg, Konfirmationen 1914-1944, fand ich Einträge über die Konfirmationen der Kinder von Julius P. (1866-1944) aus Seehöhe. Die Frage nach den Vorfahren von Julius blieb aber unbeantwortet.

Im Januar 2005 bestellte ich Mikrofilme von Büchern der Kirche Arys, weil ich bei den Mormonen im Internet gefunden hatte, dass in Odoyen (Kirche Arys Land) die Familie Carl Pietrass gewohnt hat. Carl (*1834) war der älteste Sohn meines Ur-Urgrossvaters Friedrich P. (1808-1858) aus Martinswolla. Ich sichtete die 5 Mikrofilme

und fand eine ganze Reihe von Einträgen, nicht nur über die Familie Carl P. (1834-1876) aus Odoyen, sondern auch über die Familie Jacob P. (1851-1923) aus Buwelno. Jacob war der jüngste Sohn meines Ur-Urgrossvaters Friedrich P. (1808-1858). Die gefundenen Daten sind in den beiden Familienblättern zusammengestellt.

Zusammenfassend kann ich feststellen, dass meine Ahnenforschung bei den Mormonen erfolgreicher war als ich erwartet hatte. Dennoch blieb die Frage nach der Verwandtschaft von Julius P. (Seehöhe) mit meinem Grossvater Richard P. (Martinshagen) unbeantwortet.


Suche im polnischen Staatsarchiv in Olsztyn (Allenstein)

Im Zentralarchiv der Evangelischen Kirche in Berlin und aus dem Internet hatte ich erfahren, dass weitere alte ostpreussische Kirchenbücher und Standesamtsunterlagen sich in polnischen Staatsarchiven in Olsztyn (Allenstein) und Elk (Lyck) befinden:

Das Staatsarchiv in Elk hatten wir bereits 2004 besucht. Dort befinden sich ältere (1874-1902) Familiendokumente (Geburten, Heiraten, Todesfälle) vom Standesamt Milken. Und welche relevanten Dokumente befinden sich noch in Olsztyn? Nach Auskunft des EZB, das über Kataloge der polnischen Staatsarchive in Ostpreussen verfügt, sollten in Olsztyn vorhanden sein:

Ich dachte, dass diese Kirchenbücher die offene Frage nach den Vorfahren von Julius P. (Seehöhe) aufklären könnten. Da aber diese Kirchenbücher weder beim EZB noch bei den Mormonen vorhanden sind, müsste man nach Olsztyn fahren, um sie zu studieren.

Im März 2005 fragte ich meinen Bruder Alfred (wohnhaft in Rendsburg), ob er mit mir nach Ostpreussen fahren würde, um die Kirchenbücher in Olsztyn zu studieren. Er stimmte zu, und wir planten eine einwöchige Reise im Sommer 2005. Da es uns 2004 in der Pension Teresa in Marcinowa Wola (Martinshagen) so gut gefallen hatte, wollten wir wieder dort wohnen und von dort aus mit dem Auto nach dem ca. 100 km entfernten Olsztyn fahren.

Am 25. Juni 2005 starteten wir am Morgen mit einem Mietauto in Berlin und erreichten abends die Pension Teresa in Marcinowa Wola. Von dort aus fuhren wir mehrmals über Szymonka (Schimonken), Mikolajki (Nikolaiken) und Mragowo (Sensburg) nach Olsztyn, um dort im Staatsarchiv die alten Kirchenbücher zu studieren.

Im Staatsarchiv fanden wir in den alten Büchern der Kirche Eckersberg die gesuchten Einträge über die Heirat von Fiedrich P. (Kirchenbucheintrag 1864) und die Geburt seines Sohns Julius (Kirchenbucheintrag 1866). Die Einträge lauten sinngemäss:

Damit hatten wir endlich gefunden, dass Julius P. in Czierspienten (Seehöhe) geboren wurde, und dass Friedrich P. (1838-?) sein Vater war. Friedrich hat den Hof in Czierspienten (Seehöhe) durch Heirat der Witwe Caroline Czichy geb. Badzio erworben. Friedrich stammte aus Marczinawolla, sein Vater war der Kölmer Friedrich P. (1808-1858). Der erste Ehemann von Caroline Badzio, Johann Czichy, war am 23. Juni 1864 gestorben.

Weitere Familiendaten aus den Kirchenbüchern Eckersberg sind unter Friedrich P. (1838-?) zusammengestellt.

Im Staatsarchiv Olsztyn fanden wir auch ein altes Buch der Kirche Milken: Taufen 1782-1793. Bei der Durchsicht dieses Buches fanden wir folgende Einträge:

Dies sind die ältesten bekannten Einträge, die die Existenz einer Pietrass-Familie in Martinshagen (Martinswolla) belegen. Vermutlich ist Johann P. (*ca. 1750) der Vater von Christoph P. (* ca. 1780). Die Geburtsdaten von beiden sind unbekannt, ihre Geburtsjahre wurden aus anderen Familiendaten geschätzt. Es ist unklar, ob Johann in Martinswolla geboren wurde oder zugezogen ist. Diese Frage wie auch viele andere konnten nicht geklärt werden.



Nachtrag im Januar 2009

Oben ist meine Ahnenforschung bis 2005 beschrieben.

Meine Hoffnung, über das Internet Hinweise zu erhalten, wie ich noch weiter zurückliegende Familiendaten finden könnte, hat sich erfüllt. Ich kam in Kontakt mit Hans-Werner Erdt, Schriftleiter des Lötzener Heimatbriefes. Er riet mir, die Prästationstabellen (Steuer- und Mühlenlisten) des Amtes Lötzen zu studieren, die von 1750-1855 geführt worden sind und heute im Preussischen Staatsarchiv in Berlin-Dahlem lagern.

2007 studierte ich die Prästationstabellen des Amtes Lötzen bei den Mormonen in Zürich und fand, dass von 1750 bis ca. 1790 Jacob P. als Besitzer des Erbhofes in Marczinawolla eingetragen war. Damit war ich bei der Suche nach meinen Vorfahren eine Generation weiter zurück gekommen. Jacob P., der Vater von Johann P. (ca. 1750-1800), lebte schätzungsweise 1720-1800.

Bei der Durchsicht weiterer alter Dokumente des Amtes Lötzen kam ich schließlich noch eine Generation weiter zurück. Ich fand, dass Albrecht P. ab ca. 1720 der erste Besitzer des P-Hofes in Marczinawolla war. Wahrscheinlich kam er aus Lipiensken und und hat den Hof durch Heirat oder Kauf erworben.

Meine Ahnenforschung ab 2007 beschreibe ich ausführlicher unter Weiter zurück in die Vergangenheit vor 1800.

Im Sommer 2008 war ich wieder mit meinen Brüdern in Masuren. Wir wohnten auch wieder in der uns vertrauten Pension Teresa in Marcinowa Wola (Martinshagen). Wir wandelten auf den Wegen unser Vorfahren in Martinshagen und Umgebung. Wir kehrten wieder in Upalten in das Gasthaus Alte Mühle ein (früher die Mühle unseres Vaters) und spielten dort einen zünftigen Skat.

Wir ruderten auf dem Buwelnosee und suchten nach Überresten der Wassermühle Przykop. Wir suchten und fanden das Werder am Buwelnosee, das erstmalig in einer Urkunde von 1553 erwähnt wurde.

Wir besichtigten das ehemalige Lötzener Schloss von aussen. Wir machten auch eine Schiffsreise von Lötzen nach Nikolaiken.

Wir waren aber auch im Staatlichen Archiv in Lyck, wo wir Urkundenbücher der Standesämter Rydzewen (Rotwalde) und Widminnen der Jahrgänge 1874-1905 studierten. Dort fanden wir Spuren von Pietras..-Personen aus Paprodtken (Goldensee), Junien, Wensowken, Czybulken, und Sucholasken (Rauschenwalde), die nicht zu unserer Pietras..-Linie (Martinshagen), sondern zu zwei anderen P-Linien gehören. Damit ist geklärt, dass die Pietrasse, die bis 1945 in Goldensee und Rauschenwalde wohnten, nicht zur Pietras..-Linie Martinshagen gehören. Dies ist ausführlich unter Pietras..-Spuren in Masuren dargestellt.



Zuletzt geändert am 16.03.2009Home: Ahnenforschung Pietrass